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Lektürebericht: Claus Kleber, Machtkämpfe im Klimawandel

Wer bisher dachte, das Thema Klimawandel sei bloß was für ein paar Idealisten und Hysteriker/innen – nun ja, wird dieses Buch vermutlich leider nicht lesen; aber er oder sie könnte, ja müsste nach der Lektüre dieses Buches eines Besseren belehrt sein. Oder auch Schlimmeren, wie man es nimmt. Anschaulicher kann man den Klimawandel und seine Folgen kaum machen. 2011 geschrieben, als man sich hier (in Europa, Deutschland) noch untangiert, in Sicherheit, wähnen konnte; Kleber schrieb das Buch, als die Temperaturen noch nicht, wie in den vergangenen Jahren so signifikant, spürbar und den Alltag beeinträchtigend stiegen (zumindest bei uns hier im Südwesten).
Die Verteilungs-Kämpfe um Wasser, die dem Abschmelzen der Gletscher folgen werden (und schon im Gang sind); um die Seewege und Ressourcen, die das Schmelzen der Pol-Kappen mit sich bringen – Kleber hat die jeweiligen Weltregionen besucht, hat Fachleute in Indien und China (die sich ums Wasser aus dem Himalaya streiten); in Russland und auf Spitzbergen befragt. Die haben längst begriffen, dass hier eine Entwicklung im Gange ist, die Macht-Gleichgewichte verändern und gefährliche Konflikte in Gang bringen wird.
Zum Beispiel um die wichtigste Ressource des Planeten: Wasser. In Südamerika, im dicht bevölkerten Südostasien; und auch bei uns sind Berge, ihre Gletscher und ihre Rolle als „Wassertürme“ ihrer Weltgegend wesentlich für die Versorgung. Dass sie schmelzen bringt im Moment eher mehr Wasser. Auf Dauer aber ein Versiegen der Wasserversorgung in den Sommermonaten.
Kleber beschreibt auch, wie reiche Staaten mit wenig Wasser-Ressourcen auf den drohenden Mangel reagieren: Mit Kauf oder langfristiger Pacht von fruchtbarem Land in wasserreichen Gegenden. Das Beispiel Äthiopien, wo Saudi-Arabien sich massiv Land angeeignet hat, um die Nahrungsmittel-Versorgung des Landes sicher zu stellen, ist besonders eindrücklich. Saudi-Arabiens Grundwasser-Vorräte sind derart erschöpft, dass die Landwirtschaft dort weitgehend eingestellt werden musste. Deswegen hat sich der Staat riesige Landstriche in Äthiopien gesichert, wo der nötige Reis angebaut wird. Mit Kapital aus Saudi-Arabien und Wasser von den Nil-Quellen.
Aus einem Land, in das die internationale Gemeinschaft seit Jahren Hilfsgüter importieren muss, um den schlimmsten Hunger zu lindern, könnte bald tonnenweise Reis exportiert werden.
Übrigens sind auch H&M sowie Nestlé in Äthiopien an Wasser- und Landraub beteiligt; „Raub“ als Ausdruck für eine zwar von den Machthabern legalisierte Form des Wirtschaftens (um die von H&M genutzten Baumwollplantagen zu errichten, wurden tausende von Bauern vertrieben), die aber dem größte Teil der Bevölkerung massiv schadet.

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