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Kann Geothermie in der Region sicher genutzt werden?

In der Region fühlen sich etliche Akteure von den Elsässer Projekten inspiriert

Hitze und Energie des Erdkerns sind in der Region nahe, das Potential für Geothermie groß, umgesetzt wurde praktisch noch nichts: Geothermie ist seit den zerstörerischen Folgen einer misslungenen Bohrung in Staufen ein Schreck-Gespenst. Immerhin erschien Ende vergangenen Jahres auf Anregung und mit Unterstützung des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ein „Handlungsleitfaden Tiefen-Geothermie“. 2017 wurden klarere gesetzliche Rahmenbedingungen für die Ausbeutung geothermischer Energie geschaffen.

Ganz vorsichtig traut man sich in der Region, die einst Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien war, wieder an das Thema heran. „Zehn Jahre später ist die Technologie viel ausgereifter, und wir wollen uns wieder mit dem Thema Geothermie befassen“, sagt Klaus Preiser, Leiter der Badenova-Wärmeplus auf Anfrage. „Wir stehen aber noch lange nicht vor einer Investitionsentscheidung“. Er und seine Mitarbeiter befassen sich mit den Projekten im Elsass: „Wir lernen gerade von den Franzosen, und interessieren uns für ihre Wege zu einer erfolgreichen und sicheren Nutzung“, sagt Preiser. Denn auf der anderen Rheinseite wird ein Projekt nach dem anderen umgesetzt.

Ähnliche Töne – vorsichtig aber interessiert – kommen aus dem Freiburger Umweltschutzamt.  „Die Stadt wird sich in den kommenden Jahren mit Tiefen-Geothermie befassen“, sagt der Leiter Klaus von Zahn. „Das Klimaschutz-Konzept, das wir gerade erarbeiten, zeigt auf, dass wir vermutlich Geothermie benötigen, um bis 2050 Klima-Neutralität zu erreichen“. Voraussetzung sei aber, dass sich die Technologie so weit entwickle, dass Schaden für Gebäude und Umwelt ausgeschlossen seien. Auch von Zahn sieht in den Elsässer Projekten dafür gute Ansätze.

Wie tief der Schrecken über Staufen noch sitzt, und auch über das Erdbeben nach Bohrungen in Basel kurz davor, zeigen die Konflikte um geplante Bohrungen in Neuried. Schon gegen die Versuchs-Bohrungen hatte sich sofort eine Bürger-Initiative gegründet, die Stadt Kehl klagte. Gerade erst wurde wieder ein Genehmigungsverfahren eingeleitet, zwecks der Vorbereitung für eine Suchbohrung (die wiederum neu genehmigt werden müsste).

Axel Brasse, Leiter der Landes-Bergdirektion imFreiburger Regierungspräsidiums, stellt zunächst eines klar: „In Staufen handelte es sich nicht um ein tiefengeothermisches Projekt“. Seine Behörde prüft Sicherheit und Umwelt-Verträglichkeit von Bergbau-Projekten (und ein solches sind geothermische Bohrungen). Er selbst ist Bergbau-Ingenieur.

Er hätte gerne bessere Daten den Untergrund betreffend. Aber: „Hier in der Gegend scheint es noch nicht einmal möglich zu sein, vorbereitende Untersuchungen für 3-D-Seismiken durchzuführen, so groß ist der Widerstand der Bevölkerung“, stellt er fest. Eine 3-D-Seismik liefert ein dreidimensionales Bild des Untergrunds, dem beispielsweise zu entnehmen wäre, wo Klüfte mit heißem Wasser sein könnten. Sie wird mit einer speziellen Form von Echoloten, sogenannten Geophonen, hergestellt. Besonders interessant sind Heißwasser-Reservoire, wie sie beispielsweise ein Projekt im elsässischen Rittershofen nutzt: Dem ca. 170 ° heißen Wasser in 2,5 km Tiefe wird die Wärme entzogen und für industrielle Prozesse genutzt.

„Die gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf unserer Rheinseite“, sagt Brasse. Denn geologisch sind die beiden Regionen im Prinzip Spiegelbilder. Die verschiedenen Thermalbäder sind bisher die einzige Nutzung geothermischer Energie – das dafür schon sehr lange: Bereits die Römer nutzten sie in Badenweiler.  Eine kleine Anlage in Bruchsal, die seit 2009 etwa 1200 Haushalte mit Strom versorgt, geht auf eine Erkundungsbohrung von Coca-Cola im Jahr 1979 zurück, bei der überraschend Thermalwasser gefunden wurde.

Schon mit Temperaturen ab 60 °C (also 20 ° mehr als im Eugen-Keidel-Bad) könnte Klaus Preiser etwas anfangen: „Das reicht in vielen Fällen für Wärmenetze – besonders für neue Wärmenetze z.B. in verdichtet bebauten Neubaugebieten“. Wärmenetze gibt es in Freiburg bereits Etliche: Landwasser, Weingarten, Vauban, Industriegebiet Nord. Um Geothermie für Bestandswärmenetze oder für industrielle Prozesse nutzen zu können, sollte das Wasser heiß sein, und aus größeren Tiefen kommen. „Aber“, sagt Preiser, „Tiefengeothermie-Projekte werden wir nur dort entwickeln, wo es erstens eine Chance auf Wirtschaftlichkeit gibt und zweitens, wenn sie in der jeweiligen Bürgerschaft Akzeptanz finden.“

Anders gesagt: Von einer Versorgung des zukünftigen Baugebiets Dietenbach mit Geothermie will in Freiburg vorerst niemand etwas hören – obwohl das Gebiet einen Plusenergie-Standard erreichen soll (also mehr Energie erzeugen als verbrauchen soll), und Geothermie das mit gewährleisten könnte.

Dabei hatte die Badenova 2006 bereits mehrere Konzessionen für Voruntersuchungen (noch nicht Bohrungen) in etlichen Gebieten. Sie hat etliche Studien erstellt, die jetzt in den Schränken des Unternehmens und der jeweiligen – zunächst durchaus interessierten Gemeinden – lagern. Denn es kamen die beiden GAUS in Basel und in Staufen. „Und die Leute haben das in einen Topf geworfen, obwohl das jeweils ganz unterschiedliche Technologien sind“.

Was war passiert? In Basel löste Fracking in 5000 m Tiefe 2007 mehrere Erdbeben in Stärke von bis zu 3,4  auf der Richterskala aus, die es bis ins Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ schafften. Das Projekt wurde aufgegeben. In Staufen hingegen wurde das nicht gewährleistet, was Axel Brasse die „Integrität der Tiefenbohrungen“ nennt. „Ob das Rohr während der Bohrungen und des Betriebs dicht bleibt, ist eine entscheidende Frage“, sagt er. In Staufen blieb es das nicht, so dass Grundwasser in eine Gipskeuperschicht geleitet wurde, was zu den bekannten Schäden führte.

Brasses Aufgabe ist u.a. der Schutz des Grundwassers und des Untergrunds vor schädigenden Eingriffen. Die Qualität von Bohrungen und Rohren sind dafür von entscheidender Bedeutung: „Das aus großer Tiefe geförderte Wasser ist meist sehr salzig und korrosiv“, weiß er. Und gehört genau dort auch wieder hin, und nicht in Oberflächengewässer. Was die Bohrungen angeht, so Brasse, sei die Industrie, was die Einhaltung von Normen und Bauregeln angeht, „durchaus noch in der Lernkurve“.

Einer der regionalen Player in Deutschland ist Herrenknecht vertikal, ansässig in Schwanau. Dort istman auf das Thema „Geothermie am Oberrhein“ nicht wirklich gefasst: „Da haben wir kein Statement parat“, so die Pressesprecherin Cornelia Lietzau. Um München herum wurde 2012 und 2013 mit Geräten von Herrenknecht vertikal gebohrt, bis zu 5 Kilometer tief – ohne Erdbeben oder andere Komplikationen, aber der Münchner Untergrund ist auch ein anderer als der am Oberrhein. Geothermische Anlagen versorgen beispielsweise in Kirchweidach 13.000 Haushalte mit Strom und Wärme, und Gewächshäuser mit Wärme. Bisher sieht man bei Herrenknecht im Ausland größere Chancen für Aufträge als in der Region, setzt derzeit auch Projekte in den Niederlanden und Finnland um.

Im Elsass ist vor allem das auf die Erschließung erneuerbarer Energien spezialisierte französische Unternehmen Fonroche tätig. Es arbeitet mit Rohren, die aus mehreren Schichten Stahl und Beton bestehen – Standard auch in Deutschland. Messsysteme um jede Anlage herum zeichnen rund um die Uhr alle Erdbewegungen und Beben auf. Bernard Kempf von „Électricité de Strasbourg“, dem Betreiber der Anlage in Rittershofen, ist stolz auf das Messsystem. Ab Beben der Magnitude 2 würde die geothermische Anlage automatisch ausgeschaltet. Als eine weitere wichtige Errungenschaft betrachtet er die Beweislastumkehr: Sollten je Schäden entstehen, müssten nicht die Geschädigten beweisen, dass diese Folge des geothermischen Betriebs sind, sondern Électricité de Strasbourg müsste beweisen, dass dies NICHT der Fall ist.

Seit 2017 gilt die Beweislastumkehr in Deutschland auch für geothermische Bohrungen und nicht nur für Bergbau-Projekte (zu denen geothermische Nutzungen gehören). Außerdem werden Betreiber von geothermischen Bohrungen verpflichtet, eine Versicherung abzuschließen für den Fall von Schäden, die sie selbst nicht finanziell in der Lage sein sollte, diese auszugleichen.

Klaus Preiser erhofft sich davon fühlbar und erkennbar größere Sicherheit für alle, die in der Umgebung geothermischer Anlagen leben. Die Sicherheits-Vorkehrungen im Elsass überzeugen Klaus Preiser: „Da ist viel für die Akzeptanz getan worden“, sagt er. Und bricht eine Lanze für die Energie-Wende: „Dass sie in Bezug auf Strom funktionieren kann, erfahren gerade alle, aber wir müssen uns fragen, wo denn die grüne Wärme herkommen soll.“ Über 50 % der In Baden-Württemberg benötigten 280 Twh Energie (Stand 2015) Energie werden derzeit für die Wärmeversorgung benötigt.

Der Leiter des Umweltschutzamtes Klaus von Zahn ist ähnlich angetan von den Ansätzen im Elsass: „Die neueren Anlagen sind auf einem deutlich aktuelleren Stand als ältere Anlagen. Die Wahrscheinlichkeit von Folgen erscheinen auf ein Minimum reduziert.“ Könnte Freiburg also wieder Vorreiter werden? „Ja, aber die regionalen und landesweiten Rahmenbedingungen müssen unterstützend sein.“ Er wünscht sich politische Unterstützung aus Land und Bund, und Partner, die bereits Erfahrungen und Know-How mit geothermischen Projekten haben.

Von Zahn könnte sich auch eine Zusammenarbeit mit Frankreich vorstellen – etwa im für Fessenheim angedachten deutsch-französischen Industrie-Park, der nach Abschalten des AKW kommen soll. Trotz seines interessierten Blicks über den Rhein wehrt sich von Zahn aber gegen die Anmutung, im Elsaß sei man inzwischen grundsätzlich mutiger und moderner: „Auf der linken Rheinseite gibt es dafür keine Windräder – das ist ja auch irrational. Insofern muss wohl auf beiden Rheinseiten noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.“

 

INFOS ZUM THEMA GEOTHERMIE

Geothermie – Erdwärme – kann unterschiedlich genutzt werden. Oberflächennahe Geothermie (wie in Staufen) kann Heiz- wie Kühl-Systeme versorgen. Sie wird bereits ausgiebig genutzt, vor allem für Bürogebäude aber auch – über Wärmepumpen – für Privatgebäude. Die Kühlung der Universitäts-Bibliothek ist geothermisch: Schlicht indem kühles Grundwassers durch dünne Schläuche im Boden geschickt wird. Tiefengeothermie nutzt die höheren Temperaturen näher am Erdkern: Wenn das unterirdische Wasser über  140°C hat, kann es als Wasserdampf zur Stromerzeugung genutzt werden; oder es wird genutzt um Wärme für Wohnungen oder industrielle Prozesse zu verwenden. Ab etwa 2000 Meter Tiefe hat das Wasser hier in der Region 100°C oder mehr. Die Bohrung fürs Eugen-Keidel-Bad ist 600 Meter tief, das Wasser  40°C heiß. Fracking (also das Herstellen oder Erweitern von Felsklüften, um Reservoire zu vergrößern), ist in Deutschland zwar nicht vollständig verboten, in Baden-Württemberg aber zwecks Grundwasser-Schutzes de facto ausgeschlossen.

 

http://www.tiefegeothermie.de/top-themen/neue-gesetzesregelungen-fuer-die-tiefe-geothermie

„Es gibt für Feinstaub keine Wirkungsschwelle“

Interview mit dem Nano-Toxikologen Dr. Richard Gminski

 

Was hat die Nanotoxikologie, mit der Sie sich am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene speziell befassen, mit Feinstaub zu tun?

Wir beschäftigen uns am Institut mit den möglichen Gefahren für Gesundheit und Umwelt durch winzig kleine Partikel. Dazu gehört auch der Ultrafeinstaub, der ein Teil des Feinstaubs ausmacht. Potenziell gefährlich macht den Ultrafeinstaub vor allem die geringe Größe. Die Teilchen, mit weniger als 0,1 Mikrometer Durchmesser kaum größer als ein Virus, können tief in das Lungengewebe eindringen und von dort aus sogar bis in den Blutkreislauf gelangen.

Wir haben ja in Freiburg Glück: Die Werte für Feinstaub liegen meistens unterhalb der EU-Grenzwerte.

Einerseits ist an den deutschen Messstationen bei Feinstaubkonzentrationen ein deutlich abnehmender Trend zu verzeichnen. Andererseits spiegeln Grenzwerte ja nicht wirklich die aktuelle Gesundheitsgefahr wieder. Bei Grenzwerten handelt es sich nämlich um politisch ausgehandelte Kompromisse zwischen ökologischen und gesundheitlichen (toxikologischen) Erkenntnissen, technisch Machbaren und gesellschaftlich Akzeptierbaren. Die Schädlichkeit kurzeitig auftretender Spitzenwerte beispielsweise ist nicht berücksichtigt. Diese können – trotz insgesamt deutlicher Unterschreitung der vorgeschriebenen Grenzwerte – durchaus Gesundheitsgefährdungen ergeben. Dann gibt es auch noch Risikogruppen wie Kinder, Alte, Schwangere und chronisch Kranke, bei denen es schneller zu Beeinträchtigungen der Gesundheit  kommen kann. Die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind deutlich niedriger als die der EU.

 Welche Krankheiten lassen sich direkt mit Luftschadstoffen in Verbindung bringen?

Luftschadstoffe können verschiedene – teils vorübergehende, teils chronische – Gesundheitsschäden auslösen: dazu zählen Beeinträchtigungen der Lungenfunktion sowie Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bestimmte Luftschadstoffe erhöhen auch das Krebsrisiko. Beispielsweise steht Feinstaub im Verdacht, je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen Schlaganfälle und Herzinfarkte, aber auch Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs auszulösen. Ultrafeine Partikel können vermutlich sogar über den Riechnerv ins Gehirn gelangen. Es gibt für Feinstaub keine Wirkungsschwelle – Gesundheitsschäden treten auch bei geringen Feinstaubkonzentrationen auf. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiederholt festgestellt. 

Sie sind aber trotz derzeit ziemlich schlechter Luft mit dem Fahrrad zum Interview gekommen.

Für mich ist das Rad das beliebteste Fortbewegungsmittel, besonders hier in Freiburg. Ich verursache keine schädlichen Emissionen, bewege mich somit umweltbewusst und fördere nebenbei meine Gesundheit.

 Joggen gehen trotz Feinstaub-Alarms: Macht das Sinn?

Der Anstieg der Atemfrequenz und Atemtiefe beim Joggen verursacht eine höhere Aufnahme von Schadstoffen über die Lunge. Deshalb sollten ältere Menschen und Kleinkinder sowie Personen mit einer bestehenden, insbesondere chronischen Atemwegserkrankung (z.B. Asthma, chronischer Bronchitis), bei Feinstaub-Alarm anstrengende Tätigkeiten im Freien vermeiden.

Sind Diesel-Autos an allem schuld?

In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr mit Diesel-Fahrzeugen die bedeutendste NOx– und Feinstaub-Quelle. Die Vermeidung von unnötigen Autofahrten würde die Belastung durch Feinstaub und Stickstoffoxide verringern. In den letzten Jahren ist aber auch die Verbrennung von Holz und anderen, nachwachsenden Rohstoffen in privaten Öfen und Kaminen zu einer relevanten Quelle von Luftverunreinigungen geworden. Deswegen kann es durchaus auch in einem idyllischen Schwarzwald-Dorf zu erhöhten Feinstaubwerten kommen, insbesondere bei Inversionswetterlagen. Im Gegensatz zu den von der Badenova betriebenen Blockheiz-Kraftwerken mit ihren ausgezeichneten Filtern emittieren private Heizungsanlagen einiges an Feinstaub, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden.

Womit wir beim Thema Stickstoffoxide wären. Vor allem um die B31 herum in Freiburg ein großes Problem.

Stickstoffoxide – insbesondere das NO2 – reizen und schädigen die Atmungsorgane. Sie sind vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sich eine Bronchialkonstriktion (Bronchienverengung) einstellen kann.

Können Sie den Anwohnern irgendetwas empfehlen (außer umzuziehen)?

Um die B31 herum spielt vor allem der motorisierte Verkehr vor Ort eine wichtige Rolle als Emissionsquelle. Hier könnten regionale Maßnahmen helfen, die Stickoxid-Belastung zu senken: Den LKW-Durchgangsverkehr aufs unbedingt Notwendige reduzieren, Geschwindigkeitsbegrenzungen (z.B. Tempo 30). Langfristig werden erdgasbetriebene Fahrzeuge, Fahrzeuge mit SCR (Selective Catalytic Reduction)-Technologie oder Elektroautos zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität beitragen.

Können Pflanzen helfen; Mooswände z.B., wie in Stuttgart?

Versuche wie zum Beispiel Fassaden, Lärmschutzwände oder Straßenbeläge mit dem NOx-abbauenden Mineral Titandioxid zu versetzen, könnten kurzfristig zu einer Verbesserung der Stickoxid-Belastung führen. Mooswände könnten Feinstaub binden und abbauen. Aber das Grundproblem der Emissionsquellen ist damit nicht gelöst. Peking möchte riesige Wasserkanonen zum Sprinklern in der Stadt erbauen, um den Feinstaub zu binden. Die Holländer haben für Peking einen Stadtluftreiniger entwickelt, der die Luft ionisiert, und Feinstaub reduziert. Aber Ionisatoren und Wasserkanonen gegen den Smog – das greift langfristig nicht! Langfristig müssen sinnvolle technische, planerische und verhaltensändernde Maßnahmen die Luftschadstoffe reduzieren.

 Laut der International Energy Agency IEA sterben an der Luftverschmutzung jährlich 6,5 Millionen Menschen – ist das nicht etwas übertrieben?

Rund 6.5 Millionen Todesfälle sind laut dieser Datenbank tatsächlich der Luftverschmutzung zuzuschreiben, wobei Verbrennungsprozesse im Innenraum (jedoch nicht in Europa) mehr als die Hälfte ausmachen. Damit gehört die Luftverschmutzung nach Bluthochdruck, falscher Ernährung und Rauchen zu der viertgrößten gesundheitlichen Bedrohung der Menschheit.

Wäscht der Regen den Feinstaub jetzt aus der Luft? Ist dann völlige Entwarnung?“.

Regen kann viele der gefährlichen Partikel aus der Luft spülen. Durch die Regenfälle sollte die Menge an Luftschadstoffen in unserer Region deutlich zurückgehen.

 Was sind derzeit Ihre Forschungsschwerpunkte?

Die Arbeitsgemeinschaft, die ich leite, beschäftigt sich zurzeit mit folgenden Themen: Exposition gegenüber Feinstaub am Arbeitsplatz, Luftverschmutzung in Innenräumen, und gesundes Wohnen mit Holz.

Dr. Richard Gminski (geb. 1955) ist an der Universitätsklinik Freiburg am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene (IUK) tätig und leitet dort die AG Umwelt- und Nanotoxikologie (UTOX). Arbeitsschwerpunkt seiner Arbeitsgruppe ist die Erforschung, Erkennung und Prävention umweltbedingter Gesundheitsrisiken.

 

 

 

Lektürebericht: „Wir können uns ändern“ von Felix Ekardt

Hier in Süd-Deutschland ist der Klimawandel schon deutlich spürbar – und für Landwirte, Wasser-Versorger, Skilift-Besitzer, Stadtbäume u.v.a. auch Besorgnis erregend. Ich habe dieses Buch also mit einem Anliegen gelesen: Was kann man tun? Verstehen, warum die meisten meiner Freunde und Bekannten weiter so leben wie bisher: Mit ausgiebigen Urlaubs-Flügen und -Fahrten, vielen, vielen elektronischen Geräten und fröhlichem Konsum. Bzw. verstehen kann ich es ja. Aber ich habe auch Angst vor den Folgen des Klimawandels.
Ekardt dröselt sorgfältig auseinander, warum die meisten Menschen nichts ändern mögen – auch wenn sie wissen, dass sie sollten. Alles in einem ganz ruhigen und sachlichen Ton, fast ein wenig dröge.
Das Meiste weiß man eigentlich. Dass es an vielen Faktoren liegt, wenn Leute so weitermachen wie bisher. Dass es viele kleine Schritte braucht, um etwas zu ändern. Dass das leider im Gegensatz steht zum relativ dringenden und großen Handlungsbedarf.
Zeitweise hat mich dieses Buch hoffnungslos gemacht: Wird sich erst etwas ändern, wenn die Wetterverhältnisse völlig unberechenbar geworden sind, extreme Hitze, Wassermangel und Dürre zum Handeln zwingen? Womöglich Ernte-Ausfälle und Hunger-Katastrophen auch uns reiche Länder erreichen?
Anderes hat mich etwas zuversichtlicher gemacht: Wie leicht Normalitäts-Vorstellungen und Normen zu beeinflussen sind. Vielleicht wird das Viel-Fliegen mal geächtet, statt ein Prestige-Symbol zu sein. Vielleicht kann die positive Entwicklung bei den erneuerbaren Energien die Menschen zuversichtlich machen und Kraft für den Wandel geben. Vielleicht bringt auch der permanente Druck und Zeitmangel, den unser hoher Lebens-Standard als Tribut fordert, Menschen zum Nachdenken.
Aber so richtig schlauer bin ich jetzt nicht. Was ich selbst tun kann, tue ich. Andere überzeugen dauert, das ist immer so. Also einfach geduldig bleiben?
Rezepte gibt es also bei Ekardt nicht. Vermutlich ein sehr realistisches Buch.

Lektürebericht: Claus Kleber, Machtkämpfe im Klimawandel

Wer bisher dachte, das Thema Klimawandel sei bloß was für ein paar Idealisten und Hysteriker/innen – nun ja, wird dieses Buch vermutlich leider nicht lesen; aber er oder sie könnte, ja müsste nach der Lektüre dieses Buches eines Besseren belehrt sein. Oder auch Schlimmeren, wie man es nimmt. Anschaulicher kann man den Klimawandel und seine Folgen kaum machen. 2011 geschrieben, als man sich hier (in Europa, Deutschland) noch untangiert, in Sicherheit, wähnen konnte; Kleber schrieb das Buch, als die Temperaturen noch nicht, wie in den vergangenen Jahren so signifikant, spürbar und den Alltag beeinträchtigend stiegen (zumindest bei uns hier im Südwesten).
Die Verteilungs-Kämpfe um Wasser, die dem Abschmelzen der Gletscher folgen werden (und schon im Gang sind); um die Seewege und Ressourcen, die das Schmelzen der Pol-Kappen mit sich bringen – Kleber hat die jeweiligen Weltregionen besucht, hat Fachleute in Indien und China (die sich ums Wasser aus dem Himalaya streiten); in Russland und auf Spitzbergen befragt. Die haben längst begriffen, dass hier eine Entwicklung im Gange ist, die Macht-Gleichgewichte verändern und gefährliche Konflikte in Gang bringen wird.
Zum Beispiel um die wichtigste Ressource des Planeten: Wasser. In Südamerika, im dicht bevölkerten Südostasien; und auch bei uns sind Berge, ihre Gletscher und ihre Rolle als „Wassertürme“ ihrer Weltgegend wesentlich für die Versorgung. Dass sie schmelzen bringt im Moment eher mehr Wasser. Auf Dauer aber ein Versiegen der Wasserversorgung in den Sommermonaten.
Kleber beschreibt auch, wie reiche Staaten mit wenig Wasser-Ressourcen auf den drohenden Mangel reagieren: Mit Kauf oder langfristiger Pacht von fruchtbarem Land in wasserreichen Gegenden. Das Beispiel Äthiopien, wo Saudi-Arabien sich massiv Land angeeignet hat, um die Nahrungsmittel-Versorgung des Landes sicher zu stellen, ist besonders eindrücklich. Saudi-Arabiens Grundwasser-Vorräte sind derart erschöpft, dass die Landwirtschaft dort weitgehend eingestellt werden musste. Deswegen hat sich der Staat riesige Landstriche in Äthiopien gesichert, wo der nötige Reis angebaut wird. Mit Kapital aus Saudi-Arabien und Wasser von den Nil-Quellen.
Aus einem Land, in das die internationale Gemeinschaft seit Jahren Hilfsgüter importieren muss, um den schlimmsten Hunger zu lindern, könnte bald tonnenweise Reis exportiert werden.
Übrigens sind auch H&M sowie Nestlé in Äthiopien an Wasser- und Landraub beteiligt; „Raub“ als Ausdruck für eine zwar von den Machthabern legalisierte Form des Wirtschaftens (um die von H&M genutzten Baumwollplantagen zu errichten, wurden tausende von Bauern vertrieben), die aber dem größte Teil der Bevölkerung massiv schadet.

Ein „Haus des Engagements“ für Freiburg

Die Stadt Freiburg steht zwischen zwei Investoren: Was wird aus dem alten Bürgeramt in der Basler Straße, ganz zentrumsnah? Das Studierendenwerk möchte das Gebäude kaufen, und eine Genossenschaft aus bisher 71 Institutionen, Vereinen, Unternehmen – unter ihnen auch Freiburg Future Lab. Hier steht mehr über das Konzept der Genossenschaft, an der auch Willi Sutter von der Genossenschaft Bogenständig beteiligt ist – ein Spezialist für bodenständige und günstige energetische Sanierungen alter Gebäude.

Die Genossenschaft möchte das Gebäude zur Förderung zivilgesellschaftlichen, bürgerschaftlichen Engagements bzw. bürgerschaftliche Nutzung nutzen. Auch Gewerbe und Kultur sollen dort zu einem lebendigen Haus beitragen.

Am 2. Februar ist die entscheidende Gemeinderats-Sitzung. Wenn die Entscheidung nicht vertagt wird: Mehrere Fraktionen sind noch untentschlossen und eine hat Informationsbedarf angemeldet.

https://www.badische-zeitung.de/basler-strasse-2-vergabe-sorgt-fuer-zuendstoff

Future of Cities in Turkey „Türkischer Städtetag“

Interview with Recep Sahin, General Secretary of the Union of Turkish Municipalities

 

 

Future Lab: What are the main goals of the Union of Turkish Municipalities at the moment?

Recep Sahin: Our main goals is to support municipalities. Especially three domains are important:
First: Capacity strengthening by trainings, participation to fairs, congresses etc. We work with mayors, council members and all municipal officials.
Second: Defining the problematic areas of municipalities and political lobbying to solve these problems. We have to increase the revenues and boost the financial development of the municipalities. The main preoccupations are urban transformation, public transportation, waste management, water and wastewater issues, i.e; leakages in drinking water network, difficulties in expropriation activities and so on.
Third: Take part in the legislation processes concerning municipalities.

Future Lab: What are the most dynamic cities in Turkey at the moment, and what are the challenges there?

Recep Sahin: In 2014, a law has enlarged the responsibilities of bigger municipalities (in 30 out of 81 provinces). They are now also in charge of many domains, except security, health and education and have to deal with a lot of different technical and socio-economic issues. The new greater municipalities are more busy and have to provide more efforts than others.

Future Lab: Is climate change an issue that the Union thinks should be addressed also on municipality level?
Recep Sahin: Of course, the involvement, effort and handling of the local authorities regarding climate issues are essential. Here, „bottom up“ – initiatives will be very precious. The Mınistry of Environment has issued a climate change action plan in 2010 and municipalities are supposed to improve the efficiency in public transportation, the energy efficiency in buildings, to install proper waste disposal.

Future Lab: Do you believe that more climate friendly cities will be cities with a better life quality also?
Recep Sahin: I believe that the more ecological solution will be the more economic one on the long run. We should achieve this for the sustainability of life, and also taking into account life standards.

 

Soziale Zentren durch Renovierung schaffen

Renovations can also create energy efficient buildings – often cheaper than building new. And it respects ancient and traditional structures. This is the philosophy of the company specialized in renovations of historical buildings, Sutter3kg. The company often works with the cooperative „Bogenständig“, which provides low-cost housing for people are not competitive on the free rent market (disabled or old people, or people with social or psychological problems). For one of its projects, Sutter3Kg has now received a price from the regional architect’s organization. The price has been awarded because of the quality of the renovation, but also because the 250 year old building has an important social function in the village situated 20 km east of Freiburg. Creating meeting points in rural areas, that are often threatened by depopulation, is one more goal of Willi Sutter, the company leader.

Renovieren statt Abreissen, und dennoch hoch energie-effiziente Gebäude schaffen: Das ist das Ziel der Sutter3Kg. Eines der vom Unternehmen renovierten Gebäude, die Klosterscheune in Oberried, hat nun einen Preis von der südbadischen Architektur-Kammer bekommen. Das Unternehmen ist auf günstige und behutsame Renovierung alter (teilweise auch denkmalgeschützter) Gebäude spezialisiert. Die Klosterscheune im 20 km östlich von Freiburg gelegenen Oberried ist nun in Versammlungsort, mit kleiner Bücherei und Markt. Eines der Projekte im ländlichen Raum, die dort Strukturen schaffen und auch der Abwanderung vorbeugen soll.

Für andere Projekte arbeitet das Unternehmen Sutter3Kg mit der Genossenschaft Bogenständig zusammen: „Ziel der Genossenschaft ist es, preisgünstigen Mietwohnraum für ­Mitglieder und Menschen am Rande der Gesellschaft zu schaffen.“ So geschehen in der „Alten Schule“ in Haslach.

http://www.sutter3kg.de/klosterscheune-in-oberried.html

http://www.bogenstaendig.org

 

Markus Bohnert: Energiewende lokal

Energiewende lokal: Markus Bohnert, Vorstand der Kooperative Bürgerenergie St. Peter, hat den Klaus-Binder-Zukunftspreis bekommen. Locally autonomous communities will be important for energy change, and the project of St. Peter not only focusses on renewable electricity production, but also on a heat grid working with biomass. Das Besondere am Projekt, das Markus Bohnert mit initiiert hat: Nicht nur Strom aus Sonne und Wind werden in St. Peter in dem Maße produziert, dass der Ort ein Mehrfaches des Eigenbedarfs produziert. Auch Wärme wird nachhaltig und aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Kernstück der Versorgung ist ein technisch innovatives Blockheizkraftwerk, das mit Holzvergasung arbeitet. Es liefert Wärme an 220 Gebäude; das Wärmenetz ist ausbaufähig. The St. Peter heat-grid works with an innovative wooden gazeification technology. Mr. Bohnert is in the board of the cooperative running the grid. Owners of the grid are the consumers.

Bürgerenergie St. Peter

Bioenergie-Dorf St. Peter 

 

Wärmepreise-Chaos

Haslach bekommt ein neues Fernwärmenetz für 800 Wohnungen, mit Wärmepreisen, die bei ca. einem Drittel der Preise im nahe gelegenen Neubau-Viertel Gutleutmatten liegen werden. Ebenso wie das Nachbarviertel wird das Wärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. Der Contractor ist ein Hamburger Unternehmen, Urbana. Betrieben wird das Netz von einem gemeinsamen Tochterunternehmen der Freiburger Stadtbau und der Bima (ehemalige Bundes-Vermögens-Verwaltung). Der 60 Kubikmeter große Warmwasser-Speicher wird unterirdisch lagern. Die große Frage lautet nun, woher der große Preis-Unterschied bei der Wärme-Versorgung kommt. Bisher wollte sich noch keiner der Beteiligten (Freiburger Stadtbau, Badenova oder Stadt Freiburg) dazu äußern.

Nachtrag am 10. Oktober: Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass die Badenova den ersten Neubürgern im Quartier Gutleutmatten zunächst zu 50% überhöhte Wärmepreise in Rechnung gestellt hat. Eine Korrektur soll demnächst erfolgen.

Nota bene: Im kommenden Jahr läuft die Förderung für das „innovative“ Energie-Konzept Gutleutmatten aus. Möglicherweise wird das Kompromisse leichter machen.