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„Es gibt für Feinstaub keine Wirkungsschwelle“

Interview mit dem Nano-Toxikologen Dr. Richard Gminski

 

Was hat die Nanotoxikologie, mit der Sie sich am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene speziell befassen, mit Feinstaub zu tun?

Wir beschäftigen uns am Institut mit den möglichen Gefahren für Gesundheit und Umwelt durch winzig kleine Partikel. Dazu gehört auch der Ultrafeinstaub, der ein Teil des Feinstaubs ausmacht. Potenziell gefährlich macht den Ultrafeinstaub vor allem die geringe Größe. Die Teilchen, mit weniger als 0,1 Mikrometer Durchmesser kaum größer als ein Virus, können tief in das Lungengewebe eindringen und von dort aus sogar bis in den Blutkreislauf gelangen.

Wir haben ja in Freiburg Glück: Die Werte für Feinstaub liegen meistens unterhalb der EU-Grenzwerte.

Einerseits ist an den deutschen Messstationen bei Feinstaubkonzentrationen ein deutlich abnehmender Trend zu verzeichnen. Andererseits spiegeln Grenzwerte ja nicht wirklich die aktuelle Gesundheitsgefahr wieder. Bei Grenzwerten handelt es sich nämlich um politisch ausgehandelte Kompromisse zwischen ökologischen und gesundheitlichen (toxikologischen) Erkenntnissen, technisch Machbaren und gesellschaftlich Akzeptierbaren. Die Schädlichkeit kurzeitig auftretender Spitzenwerte beispielsweise ist nicht berücksichtigt. Diese können – trotz insgesamt deutlicher Unterschreitung der vorgeschriebenen Grenzwerte – durchaus Gesundheitsgefährdungen ergeben. Dann gibt es auch noch Risikogruppen wie Kinder, Alte, Schwangere und chronisch Kranke, bei denen es schneller zu Beeinträchtigungen der Gesundheit  kommen kann. Die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind deutlich niedriger als die der EU.

 Welche Krankheiten lassen sich direkt mit Luftschadstoffen in Verbindung bringen?

Luftschadstoffe können verschiedene – teils vorübergehende, teils chronische – Gesundheitsschäden auslösen: dazu zählen Beeinträchtigungen der Lungenfunktion sowie Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bestimmte Luftschadstoffe erhöhen auch das Krebsrisiko. Beispielsweise steht Feinstaub im Verdacht, je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen Schlaganfälle und Herzinfarkte, aber auch Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs auszulösen. Ultrafeine Partikel können vermutlich sogar über den Riechnerv ins Gehirn gelangen. Es gibt für Feinstaub keine Wirkungsschwelle – Gesundheitsschäden treten auch bei geringen Feinstaubkonzentrationen auf. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiederholt festgestellt. 

Sie sind aber trotz derzeit ziemlich schlechter Luft mit dem Fahrrad zum Interview gekommen.

Für mich ist das Rad das beliebteste Fortbewegungsmittel, besonders hier in Freiburg. Ich verursache keine schädlichen Emissionen, bewege mich somit umweltbewusst und fördere nebenbei meine Gesundheit.

 Joggen gehen trotz Feinstaub-Alarms: Macht das Sinn?

Der Anstieg der Atemfrequenz und Atemtiefe beim Joggen verursacht eine höhere Aufnahme von Schadstoffen über die Lunge. Deshalb sollten ältere Menschen und Kleinkinder sowie Personen mit einer bestehenden, insbesondere chronischen Atemwegserkrankung (z.B. Asthma, chronischer Bronchitis), bei Feinstaub-Alarm anstrengende Tätigkeiten im Freien vermeiden.

Sind Diesel-Autos an allem schuld?

In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr mit Diesel-Fahrzeugen die bedeutendste NOx– und Feinstaub-Quelle. Die Vermeidung von unnötigen Autofahrten würde die Belastung durch Feinstaub und Stickstoffoxide verringern. In den letzten Jahren ist aber auch die Verbrennung von Holz und anderen, nachwachsenden Rohstoffen in privaten Öfen und Kaminen zu einer relevanten Quelle von Luftverunreinigungen geworden. Deswegen kann es durchaus auch in einem idyllischen Schwarzwald-Dorf zu erhöhten Feinstaubwerten kommen, insbesondere bei Inversionswetterlagen. Im Gegensatz zu den von der Badenova betriebenen Blockheiz-Kraftwerken mit ihren ausgezeichneten Filtern emittieren private Heizungsanlagen einiges an Feinstaub, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden.

Womit wir beim Thema Stickstoffoxide wären. Vor allem um die B31 herum in Freiburg ein großes Problem.

Stickstoffoxide – insbesondere das NO2 – reizen und schädigen die Atmungsorgane. Sie sind vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sich eine Bronchialkonstriktion (Bronchienverengung) einstellen kann.

Können Sie den Anwohnern irgendetwas empfehlen (außer umzuziehen)?

Um die B31 herum spielt vor allem der motorisierte Verkehr vor Ort eine wichtige Rolle als Emissionsquelle. Hier könnten regionale Maßnahmen helfen, die Stickoxid-Belastung zu senken: Den LKW-Durchgangsverkehr aufs unbedingt Notwendige reduzieren, Geschwindigkeitsbegrenzungen (z.B. Tempo 30). Langfristig werden erdgasbetriebene Fahrzeuge, Fahrzeuge mit SCR (Selective Catalytic Reduction)-Technologie oder Elektroautos zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität beitragen.

Können Pflanzen helfen; Mooswände z.B., wie in Stuttgart?

Versuche wie zum Beispiel Fassaden, Lärmschutzwände oder Straßenbeläge mit dem NOx-abbauenden Mineral Titandioxid zu versetzen, könnten kurzfristig zu einer Verbesserung der Stickoxid-Belastung führen. Mooswände könnten Feinstaub binden und abbauen. Aber das Grundproblem der Emissionsquellen ist damit nicht gelöst. Peking möchte riesige Wasserkanonen zum Sprinklern in der Stadt erbauen, um den Feinstaub zu binden. Die Holländer haben für Peking einen Stadtluftreiniger entwickelt, der die Luft ionisiert, und Feinstaub reduziert. Aber Ionisatoren und Wasserkanonen gegen den Smog – das greift langfristig nicht! Langfristig müssen sinnvolle technische, planerische und verhaltensändernde Maßnahmen die Luftschadstoffe reduzieren.

 Laut der International Energy Agency IEA sterben an der Luftverschmutzung jährlich 6,5 Millionen Menschen – ist das nicht etwas übertrieben?

Rund 6.5 Millionen Todesfälle sind laut dieser Datenbank tatsächlich der Luftverschmutzung zuzuschreiben, wobei Verbrennungsprozesse im Innenraum (jedoch nicht in Europa) mehr als die Hälfte ausmachen. Damit gehört die Luftverschmutzung nach Bluthochdruck, falscher Ernährung und Rauchen zu der viertgrößten gesundheitlichen Bedrohung der Menschheit.

Wäscht der Regen den Feinstaub jetzt aus der Luft? Ist dann völlige Entwarnung?“.

Regen kann viele der gefährlichen Partikel aus der Luft spülen. Durch die Regenfälle sollte die Menge an Luftschadstoffen in unserer Region deutlich zurückgehen.

 Was sind derzeit Ihre Forschungsschwerpunkte?

Die Arbeitsgemeinschaft, die ich leite, beschäftigt sich zurzeit mit folgenden Themen: Exposition gegenüber Feinstaub am Arbeitsplatz, Luftverschmutzung in Innenräumen, und gesundes Wohnen mit Holz.

Dr. Richard Gminski (geb. 1955) ist an der Universitätsklinik Freiburg am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene (IUK) tätig und leitet dort die AG Umwelt- und Nanotoxikologie (UTOX). Arbeitsschwerpunkt seiner Arbeitsgruppe ist die Erforschung, Erkennung und Prävention umweltbedingter Gesundheitsrisiken.

 

 

 

Lektürebericht: „Wir können uns ändern“ von Felix Ekardt

Hier in Süd-Deutschland ist der Klimawandel schon deutlich spürbar – und für Landwirte, Wasser-Versorger, Skilift-Besitzer, Stadtbäume u.v.a. auch Besorgnis erregend. Ich habe dieses Buch also mit einem Anliegen gelesen: Was kann man tun? Verstehen, warum die meisten meiner Freunde und Bekannten weiter so leben wie bisher: Mit ausgiebigen Urlaubs-Flügen und -Fahrten, vielen, vielen elektronischen Geräten und fröhlichem Konsum. Bzw. verstehen kann ich es ja. Aber ich habe auch Angst vor den Folgen des Klimawandels.
Ekardt dröselt sorgfältig auseinander, warum die meisten Menschen nichts ändern mögen – auch wenn sie wissen, dass sie sollten. Alles in einem ganz ruhigen und sachlichen Ton, fast ein wenig dröge.
Das Meiste weiß man eigentlich. Dass es an vielen Faktoren liegt, wenn Leute so weitermachen wie bisher. Dass es viele kleine Schritte braucht, um etwas zu ändern. Dass das leider im Gegensatz steht zum relativ dringenden und großen Handlungsbedarf.
Zeitweise hat mich dieses Buch hoffnungslos gemacht: Wird sich erst etwas ändern, wenn die Wetterverhältnisse völlig unberechenbar geworden sind, extreme Hitze, Wassermangel und Dürre zum Handeln zwingen? Womöglich Ernte-Ausfälle und Hunger-Katastrophen auch uns reiche Länder erreichen?
Anderes hat mich etwas zuversichtlicher gemacht: Wie leicht Normalitäts-Vorstellungen und Normen zu beeinflussen sind. Vielleicht wird das Viel-Fliegen mal geächtet, statt ein Prestige-Symbol zu sein. Vielleicht kann die positive Entwicklung bei den erneuerbaren Energien die Menschen zuversichtlich machen und Kraft für den Wandel geben. Vielleicht bringt auch der permanente Druck und Zeitmangel, den unser hoher Lebens-Standard als Tribut fordert, Menschen zum Nachdenken.
Aber so richtig schlauer bin ich jetzt nicht. Was ich selbst tun kann, tue ich. Andere überzeugen dauert, das ist immer so. Also einfach geduldig bleiben?
Rezepte gibt es also bei Ekardt nicht. Vermutlich ein sehr realistisches Buch.

Lektürebericht: Claus Kleber, Machtkämpfe im Klimawandel

Wer bisher dachte, das Thema Klimawandel sei bloß was für ein paar Idealisten und Hysteriker/innen – nun ja, wird dieses Buch vermutlich leider nicht lesen; aber er oder sie könnte, ja müsste nach der Lektüre dieses Buches eines Besseren belehrt sein. Oder auch Schlimmeren, wie man es nimmt. Anschaulicher kann man den Klimawandel und seine Folgen kaum machen. 2011 geschrieben, als man sich hier (in Europa, Deutschland) noch untangiert, in Sicherheit, wähnen konnte; Kleber schrieb das Buch, als die Temperaturen noch nicht, wie in den vergangenen Jahren so signifikant, spürbar und den Alltag beeinträchtigend stiegen (zumindest bei uns hier im Südwesten).
Die Verteilungs-Kämpfe um Wasser, die dem Abschmelzen der Gletscher folgen werden (und schon im Gang sind); um die Seewege und Ressourcen, die das Schmelzen der Pol-Kappen mit sich bringen – Kleber hat die jeweiligen Weltregionen besucht, hat Fachleute in Indien und China (die sich ums Wasser aus dem Himalaya streiten); in Russland und auf Spitzbergen befragt. Die haben längst begriffen, dass hier eine Entwicklung im Gange ist, die Macht-Gleichgewichte verändern und gefährliche Konflikte in Gang bringen wird.
Zum Beispiel um die wichtigste Ressource des Planeten: Wasser. In Südamerika, im dicht bevölkerten Südostasien; und auch bei uns sind Berge, ihre Gletscher und ihre Rolle als „Wassertürme“ ihrer Weltgegend wesentlich für die Versorgung. Dass sie schmelzen bringt im Moment eher mehr Wasser. Auf Dauer aber ein Versiegen der Wasserversorgung in den Sommermonaten.
Kleber beschreibt auch, wie reiche Staaten mit wenig Wasser-Ressourcen auf den drohenden Mangel reagieren: Mit Kauf oder langfristiger Pacht von fruchtbarem Land in wasserreichen Gegenden. Das Beispiel Äthiopien, wo Saudi-Arabien sich massiv Land angeeignet hat, um die Nahrungsmittel-Versorgung des Landes sicher zu stellen, ist besonders eindrücklich. Saudi-Arabiens Grundwasser-Vorräte sind derart erschöpft, dass die Landwirtschaft dort weitgehend eingestellt werden musste. Deswegen hat sich der Staat riesige Landstriche in Äthiopien gesichert, wo der nötige Reis angebaut wird. Mit Kapital aus Saudi-Arabien und Wasser von den Nil-Quellen.
Aus einem Land, in das die internationale Gemeinschaft seit Jahren Hilfsgüter importieren muss, um den schlimmsten Hunger zu lindern, könnte bald tonnenweise Reis exportiert werden.
Übrigens sind auch H&M sowie Nestlé in Äthiopien an Wasser- und Landraub beteiligt; „Raub“ als Ausdruck für eine zwar von den Machthabern legalisierte Form des Wirtschaftens (um die von H&M genutzten Baumwollplantagen zu errichten, wurden tausende von Bauern vertrieben), die aber dem größte Teil der Bevölkerung massiv schadet.

Ein „Haus des Engagements“ für Freiburg

Die Stadt Freiburg steht zwischen zwei Investoren: Was wird aus dem alten Bürgeramt in der Basler Straße, ganz zentrumsnah? Das Studierendenwerk möchte das Gebäude kaufen, und eine Genossenschaft aus bisher 71 Institutionen, Vereinen, Unternehmen – unter ihnen auch Freiburg Future Lab. Hier steht mehr über das Konzept der Genossenschaft, an der auch Willi Sutter von der Genossenschaft Bogenständig beteiligt ist – ein Spezialist für bodenständige und günstige energetische Sanierungen alter Gebäude.

Die Genossenschaft möchte das Gebäude zur Förderung zivilgesellschaftlichen, bürgerschaftlichen Engagements bzw. bürgerschaftliche Nutzung nutzen. Auch Gewerbe und Kultur sollen dort zu einem lebendigen Haus beitragen.

Am 2. Februar ist die entscheidende Gemeinderats-Sitzung. Wenn die Entscheidung nicht vertagt wird: Mehrere Fraktionen sind noch untentschlossen und eine hat Informationsbedarf angemeldet.

https://www.badische-zeitung.de/basler-strasse-2-vergabe-sorgt-fuer-zuendstoff

Future of Cities in Turkey „Türkischer Städtetag“

Interview with Recep Sahin, General Secretary of the Union of Turkish Municipalities

 

 

Future Lab: What are the main goals of the Union of Turkish Municipalities at the moment?

Recep Sahin: Our main goals is to support municipalities. Especially three domains are important:
First: Capacity strengthening by trainings, participation to fairs, congresses etc. We work with mayors, council members and all municipal officials.
Second: Defining the problematic areas of municipalities and political lobbying to solve these problems. We have to increase the revenues and boost the financial development of the municipalities. The main preoccupations are urban transformation, public transportation, waste management, water and wastewater issues, i.e; leakages in drinking water network, difficulties in expropriation activities and so on.
Third: Take part in the legislation processes concerning municipalities.

Future Lab: What are the most dynamic cities in Turkey at the moment, and what are the challenges there?

Recep Sahin: In 2014, a law has enlarged the responsibilities of bigger municipalities (in 30 out of 81 provinces). They are now also in charge of many domains, except security, health and education and have to deal with a lot of different technical and socio-economic issues. The new greater municipalities are more busy and have to provide more efforts than others.

Future Lab: Is climate change an issue that the Union thinks should be addressed also on municipality level?
Recep Sahin: Of course, the involvement, effort and handling of the local authorities regarding climate issues are essential. Here, „bottom up“ – initiatives will be very precious. The Mınistry of Environment has issued a climate change action plan in 2010 and municipalities are supposed to improve the efficiency in public transportation, the energy efficiency in buildings, to install proper waste disposal.

Future Lab: Do you believe that more climate friendly cities will be cities with a better life quality also?
Recep Sahin: I believe that the more ecological solution will be the more economic one on the long run. We should achieve this for the sustainability of life, and also taking into account life standards.

 

Soziale Zentren durch Renovierung schaffen

Renovations can also create energy efficient buildings – often cheaper than building new. And it respects ancient and traditional structures. This is the philosophy of the company specialized in renovations of historical buildings, Sutter3kg. The company often works with the cooperative „Bogenständig“, which provides low-cost housing for people are not competitive on the free rent market (disabled or old people, or people with social or psychological problems). For one of its projects, Sutter3Kg has now received a price from the regional architect’s organization. The price has been awarded because of the quality of the renovation, but also because the 250 year old building has an important social function in the village situated 20 km east of Freiburg. Creating meeting points in rural areas, that are often threatened by depopulation, is one more goal of Willi Sutter, the company leader.

Renovieren statt Abreissen, und dennoch hoch energie-effiziente Gebäude schaffen: Das ist das Ziel der Sutter3Kg. Eines der vom Unternehmen renovierten Gebäude, die Klosterscheune in Oberried, hat nun einen Preis von der südbadischen Architektur-Kammer bekommen. Das Unternehmen ist auf günstige und behutsame Renovierung alter (teilweise auch denkmalgeschützter) Gebäude spezialisiert. Die Klosterscheune im 20 km östlich von Freiburg gelegenen Oberried ist nun in Versammlungsort, mit kleiner Bücherei und Markt. Eines der Projekte im ländlichen Raum, die dort Strukturen schaffen und auch der Abwanderung vorbeugen soll.

Für andere Projekte arbeitet das Unternehmen Sutter3Kg mit der Genossenschaft Bogenständig zusammen: „Ziel der Genossenschaft ist es, preisgünstigen Mietwohnraum für ­Mitglieder und Menschen am Rande der Gesellschaft zu schaffen.“ So geschehen in der „Alten Schule“ in Haslach.

http://www.sutter3kg.de/klosterscheune-in-oberried.html

http://www.bogenstaendig.org

 

Markus Bohnert: Energiewende lokal

Energiewende lokal: Markus Bohnert, Vorstand der Kooperative Bürgerenergie St. Peter, hat den Klaus-Binder-Zukunftspreis bekommen. Locally autonomous communities will be important for energy change, and the project of St. Peter not only focusses on renewable electricity production, but also on a heat grid working with biomass. Das Besondere am Projekt, das Markus Bohnert mit initiiert hat: Nicht nur Strom aus Sonne und Wind werden in St. Peter in dem Maße produziert, dass der Ort ein Mehrfaches des Eigenbedarfs produziert. Auch Wärme wird nachhaltig und aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Kernstück der Versorgung ist ein technisch innovatives Blockheizkraftwerk, das mit Holzvergasung arbeitet. Es liefert Wärme an 220 Gebäude; das Wärmenetz ist ausbaufähig. The St. Peter heat-grid works with an innovative wooden gazeification technology. Mr. Bohnert is in the board of the cooperative running the grid. Owners of the grid are the consumers.

Bürgerenergie St. Peter

Bioenergie-Dorf St. Peter 

 

Wärmepreise-Chaos

Haslach bekommt ein neues Fernwärmenetz für 800 Wohnungen, mit Wärmepreisen, die bei ca. einem Drittel der Preise im nahe gelegenen Neubau-Viertel Gutleutmatten liegen werden. Ebenso wie das Nachbarviertel wird das Wärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. Der Contractor ist ein Hamburger Unternehmen, Urbana. Betrieben wird das Netz von einem gemeinsamen Tochterunternehmen der Freiburger Stadtbau und der Bima (ehemalige Bundes-Vermögens-Verwaltung). Der 60 Kubikmeter große Warmwasser-Speicher wird unterirdisch lagern. Die große Frage lautet nun, woher der große Preis-Unterschied bei der Wärme-Versorgung kommt. Bisher wollte sich noch keiner der Beteiligten (Freiburger Stadtbau, Badenova oder Stadt Freiburg) dazu äußern.

Nachtrag am 10. Oktober: Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass die Badenova den ersten Neubürgern im Quartier Gutleutmatten zunächst zu 50% überhöhte Wärmepreise in Rechnung gestellt hat. Eine Korrektur soll demnächst erfolgen.

Nota bene: Im kommenden Jahr läuft die Förderung für das „innovative“ Energie-Konzept Gutleutmatten aus. Möglicherweise wird das Kompromisse leichter machen.

 

Energie-
Versorgung: Wer zahlt?

Die Energie-Versorgung im neuen ökologischen Viertel Gutleutmatten in Freiburg ist heftig umstritten. Das Thema beschäftigt sogar das baden-württembergische Umweltministerium. Einleitend kurz umrissen die Positionen: Der regionale Energie-Versorger Badenova haben zusammen mit dem Institut für solare Energiesysteme (ISE) ein innovatives Energie-Konzept erarbeitet.

Es kombiniert Solarthermie (im Sommer) mit Wärme und Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung; es wird ein Blockheizkraftwerk verwendet, das ohnehin schon in der Nähe installiert ist und das Haslacher Schwimmbad mit Energie versorgt.

Soweit so ökologisch. Dass Umweltfreundlichkeit oft Geld kostet, ist bekannt. Hier kostet die Kilowattstunde Wärme aber deutlich mehr als in den Öko-Vierteln Vauban und Rieselfeld, nämlich 16,5 Cent und ist damit ca. 50% teurer. Da für alle Gebäude Anschlusszwang ans BHKW besteht, und die Verpflichtung, die Dächer der Badenova für die solarthermischen Anlagen zur Verfügung zu stellen, ist das System für Bauherren und Bewohner alternativlos. Sie sind somit der Preispolitik der Badenova ausgeliefert. Betroffen sind immerhin 1300 Bewohner, unter ihnen knapp 50% Sozialmieter. Wer dort baut, muss beim Grundstückskauf etlichen Auflagen zustimmen, darunter eben auch der Teilnahme am Energie-Konzept.

Die Stadt Freiburg argumentiert, nur so sei eine effiziente und umweltfreundliche Energie-Versorgung hocheffizienter (wärmegedämmter) Gebäude möglich: Eine Infrastruktur, die alle nutzen, und die durch ihre Anpassungsfähigkeit auch ökologischer ist (mal Versorgung durch Sonnen-Energie, mal durch das Kraftwerk), ist eben teurer. Klaus Zahn, Leiter des Umweltamtes, verrechnet den Verzicht auf Anlagen zur Wärmerückgewinnung (in den Wohngebäuden) mit dem Wärmepreis und kommt so zum Schluss, der Preis sei angemessen und mit dem anderer Fernwärme-Gebiete zu vergleichen.

http://www.solarregion.net/news/aus-der-solarregion-2016-01-waermeversorgungskonzept-gutleutmatten-pro-umweltamt-klaus-von-zahn

Nun, auch dort haben die wenigsten Gebäude mit Wärmerückgewinnung erstellt, und wenn, dann freiwillig, um Heiz-Energie zu sparen und mehr Wohnkomfort zu haben. Insofern dürfte das die Bauherren und künftigen Bewohner in Gutleutmatten kaum trösten. Am besten organisiert sind die Baugruppen, die dort Grundstücke bekommen haben und nun ihre Häuser planen. Außer dem Preis stört sie noch mehr: Dass der Preis ein Fixpreis pro Geschossfläche ist, und durch das Verbrauchsverhalten kaum beeinflusst wird. Sparen bringt also kaum etwas. Was wiederum bedeutet, dass die Investitionen in Dämmung und bessere Energie-Effizienz zwar ökologisch sinnvoll bleiben, aber wirtschaftlich auch langfristig keinen Gewinn bringen.

Zudem müssen sie ihre Dächer „opfern“ für die Sonnenkollektoren, statt sich Dachgärten einrichten zu können. Das System, sagt Achim Kimmerle von der Baugruppe „Bachaue“ sei sehr viel teurer als beispielsweise im Vauban und beanspruche auch noch Dachflächen, Leitungen und Pumpenstrom.

http://www.solarregion.net/news/aus-der-solarregion-2016-01-waermeversorgungskonzept-gutleutmatten-contra-baugruppen-achim-kimm

Nun soll ein Sachverständiger die Preiskalkulation der Badenova überprüfen. Das Umweltministerium folgt der Argumentation der Stadt nicht, die Wärmepreise dürften höher ausfallen, da man ja den Bauherren erlaubt habe, auf Anlagen für die Wärme-Rückgewinnung zu verzichten. Solche Anlagen in einem ganzen Baugebiet zu verlangen, wäre allerdings auch eine Premiere gewesen, und zwar bundesweit.

Bisher kamen ökologische Maßnahmen meist allen zugute – wer investierte, durfte auch die Gewinne verbuchen; wer in Passiv- oder Plusenergie-Technologie investierte, wurde durch eine niedrigere Warmwasser-Rechnung belohnt. Das fällt in Gutleutmatten weg. Dass man auch noch sein Dach opfern muss, ist wohl ein bisschen viel. Kein Wunder, dass Unmut herrscht.

Die Badenova reagiert mit diesem Konzept auf das Problem sinkenden Absatzes – in einer grünen Stadt wird weniger Energie verbraucht, also verkauft, also weniger Geld verdient. Innovative Energieversorgungs-Konzepte zu entwickeln ist schon jetzt ein wichtiges Geschäftsfeld für die Badenova. Freiburg-Gutleutmatten ein Prototyp zum Testen eines neuen Konzepts. Wer dort ein Grundstück gekauft hat, hat in die Rolle des Versuchs-Kaninchens eingewilligt und wenig Einfluss-Möglichkeiten.

 

Update vom 5. April:

Das Gutachten wurde (laut Gutachter) erstellt und pünktlich im Februar abgegeben. Die Stadt möchte es den Baugruppen nicht zugänglich machen, und hält es unter Verschluss. Ungewöhnlich für eine Stadt, die Transparenz groß schreibt, und einen Preis für eine Website bekommen hat, die eben solche Transparenz schafft. Und wohl kaum ein Zeichen großen Selbstbewusstseins oder Gelassenheit, was die Richtigkeit des Konzepts angeht?

 

Update vom 16. April:

Das Gutachten wurde schließlich freigegeben. Der Gutachter bezeichnet die geplante Fernwärme-Versorgung als „offensichtliche Fehlplanung“. Umwelt-Bürgermeisterin Stuchlik verteidigt die Umweltfreundlichkeit des Konzepts.

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/gutachten-zu-gutleutmatten-vergroessert-graben-zwischen-baugruppen-und-stadtverwaltung–121968093.html

Am Ende bleibt wohl nur noch der Verweis der Stadt, dass man als Investor ja wusste, worauf man sich einließ. Das Konzept, hoch energieeffiziente Gebäude mit Fernwärme zu versorgen, ist schwierig bis unsinnig, zumindest wirtschaftlich – das ist nichts Neues. Schon im Passivhaus „Wohnen und Arbeiten“ im Vauban, das sich mit einem eigenen BHKW versorgt, sind die Leitungsverluste höher als der eigentliche Verbrauch.

 

Update vom 21. September 2016:

Dass es deutlich billiger geht, zeigt das Fernwärmeprojekt für 800 Wohnungen, dass ganz in der Nähe von Gutleutmatten realisiert werden wird: Die Preise dort werden bei einem Drittel der Wärmepreise im Neubaugebiet liegen! s.a.:

http://www.freiburg-future-lab.eu/blog/2016/09/22/neues-fernwaermenetz/